Mails für die Apple Watch schreiben

Innovationen faszinieren jeden technisch Interessierten. Viele von ihnen erleichtern uns den Alltag, und doch machen sie auf der anderen Seite uns Marketern manchmal das Leben ganz schön schwer.

Was tun zum Beispiel, wenn unsere Empfänger unsere Mails nicht nur auf Desktop, Laptop, Tablet und Smartphone lesen wollen, sondern nun auch noch auf der Smart Watch?

Hierbei empfiehlt sich das Vorgehen wie bei jeder anderen Änderung von Technik und Nutzergewohnheiten auch:

  1. keine Panik
  2. Technik untersuchen – was kann sie?
  3. Zielgruppe ansehen – könnte die so ein Gerät haben? Wenn ja:
  4. Empfänger segmentieren
  5. neue Taktik mit einer Aussendung testen
  6. Ergebnis analysieren und dann erst Änderungen für alle Empfänger umsetzen

Was kann die Technik von Smart Watches?

Die Apple Watch, die vor einigen Wochen viel beachtet in den Verkauf gestartet ist, ist das Gerät fürs Handgelenk, in das die Industrie die größten Hoffnungen setzt.

Smartwatches gibt es schon seit mehreren Jahren, aber Apple trauen viele zu, diese Kategorie von Geräten massentauglich zu machen.

Zunächst: Auf der Apple Watch kann man keine eMails schreiben.

Was man aber kann, ist seine eMails zu lesen. Das ist aber wegen des kleinen Bildschirms und der etwas umständlichen Steuerung ist das recht mühsam.

Das heißt: Die meisten Nutzer werden wohl vor allem die Liste der empfangenen Mails durchgehen und nur die Mails lesen, die gerade ganz dringend sind. Nachdem die Apple Watch ohne iPhone kaum sinnvoll zu benutzen ist, können wir davon ausgehen, dass alle Nutzer der Watch ein iPhone haben – und dieses wohl auch meist bei sich tragen. Denn der Mailempfang z.B. geht nicht ohne iPhone.

Screenshot Apple Watch-Website

Apple bewirbt die eMail-Funktion seiner Watch so – fürs Schreiben braucht man immer noch ein anderes Gerät.

Wer nutzt Smart Watches?

Was sagen die Zahlen? Genaue Verkaufszahlen für die Apple Watch gibt es nicht, und die Schätzungen reichen von 8 Millionen verkauften Apple Watches im ersten Jahr bis hin zu 40 Millionen. Zum Vergleich: Im ersten Jahr wurden ca. 22 Millionen iPads verkauft.

Das war 2010. Und im ersten Jahr waren die Tablets noch nicht so weit verbreitet, dass man annehmen musste, dass bei jeder Zielgruppe ein relevanter Anteil damit unsere Newsletter liest.

Wir können heute also davon ausgehen, dass unsere Newsletter-Empfänger wohl nur vereinzelt unsere Mails auf der Smartwatch abrufen. Das vor allem, wenn wir eine sehr technikinteressierte, junge, gut verdienende Zielgruppe haben. Echte Computer-Nerds wollen mit den Designprodukten von Apple meist ebenso wenig zu tun haben wie hartgesottene Individualisten oder Menschen, die sehr auf den Preis achten.

Wie schreibe ich Mails für Apple Watch & Co?

Die Apple Watch zeigt in der Mailübersicht den Absender und die Betreffzeile. Davon passen jeweils nur ein paar Buchstaben auf das Display. Wie viele, das unterscheidet sich je nach Text, da bei der verwendeten Proportionalschrift manche Buchstaben schmaler sind als andere (i ist z.B. schmaler als m).

  • Absender: 1 Zeile, ca. 16 Zeichen
  • Betreffzeile: 1 Zeile, ca. 16 Zeichen
  • Nachrichtentext: je nach Voreinstellungen 1 oder 2 Zeilen, je ca. 20 Zeichen

Die Werte für die Smartwatch von Pebble sind etwas niedriger, die von Samsung Gear und Motorola Moto etwas höher.

Die eine große Gefahr für unsere Mails auf den Smartwatches ist der rote Button. Damit löschen die Empfänger eine Mail. Und das werden sie tun, wenn sie den Empfänger nicht (mehr) erkennen oder sie von der Betreffzeile her annehmen, dass sie der Inhalt der Mail nicht interessiert.

Mails öffnen kann man auf der Watch natürlich auch, aber lange Texte lesen wird dort niemand.

Enthält Ihre Mail verlinkte Bilder, zeigt die Watch die Nur-Text-Version Ihrer Mails. Leider steht davor bei der Apple Watch ein Hinweis, der warnt, dass nicht alles angezeigt werden kann.

Links funktionieren generell nicht. Ausnahme: Adressen und Telefonnummern. Ein Tipp auf eine Adresse öffnet die Karten-App, ein Tipp auf eine Telefonnummer ruft diese mit dem iPhone an.

Sie sollten also eMails unbedingt mit HTML und Nur-Text-Teil verschicken. Denn hat eine Mail keinen Nur-Text-Teil, dann fordert die Uhr lediglich dazu auf, die Mail auf dem Smartphone zu lesen.

Empfänger segmentieren

Die eben genannten Einschränkungen bedeuten auch: Sie haben keine Ahnung, ob Ihre Mails auf der Uhr geöffnet werden und ob Ihre Handlungsaufforderungen ankommen. Denn da keine Bilder nachgeladen werden und Links nicht funktionieren, funktioniert die übliche Erfolgsmessung für eMails auf der Uhr nicht.

Sie können also nur mittelbar messen, ob Ihre Mails den gewünschten Effekt hatten: Wenn z.B. die Links geöffnet werden, die in der Mail stehen, dann kann es sein, dass der Empfänger diese Mail zuvor auf der Watch gelesen hat.

Sicher wissen Sie aber nur, ob Ihre Empfänger eine Apple Watch für Ihre Mails nutzen, wenn Sie diese fragen. Ein Newsletter mit einer kleinen Umfrage ist der einzige Weg, eine sinnvolle Segmentierung vorzunehmen (wenn Sie nicht anderweitig schon sehr viel über Ihre Empfänger erfahren haben). Oder Sie nutzen spezielle Promo-Codes im Nur-Text-Teil der Mail, welche die Nutzer dann z.B. bei der nächsten Bestellung eingeben können.

Haben Sie die Präferenzen der Nutzer, dann können Sie die Empfängerliste demnach aufteilen. Und dann schicken Sie einem Teil der Smartwatch-Nutzer Mails, die speziell auf die Uhr angepasst sind.

Dann sehen Sie sich an, ob die Mails so funktionieren, wie Sie sich das vorgestellt haben. Der Haken: Als direkte Interaktion sind eben nur Anrufe möglich. Denn Links funktionieren wie gesagt nicht, Bilder werden nicht nachgeladen.

Wir alle werden in den nächsten Monaten viel experimentieren müssen, wie wir mit diesem neuen Medium umgehen. Oder wir warten einfach ab – vielleicht bringt die Apple Watch 2 ja Links und/oder Bilddarstellung mit…

Fazit

Die lange bekannten Goldenen Regeln für gute eMails gelten weiter, und für Smart Watches verstärkt:

  • Nutze einen aussagekräftigen Absendernamen.
  • Schreibe hervorragende Betreffzeilen, die in den ersten Wörtern verraten, warum man die Mail öffnen sollte.

Und ansonsten müssen wir einfach im Blick behalten, wie sich die Geräte weiter entwickeln und was unsere Nutzer mit diesen so treiben.




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