Mehr Abonnenten oder verärgerte Besucher dank Popup Overlay?

Mehr Newsletter-Abonnenten – da kann kein Marketer nein zu sagen. Der größte Hebel, den wir dabei ansetzen können, ist die Anmelde-Seite, auf der sich neue Abonnenten eintragen.

Eine weit verbreitete Methode, hier mehr Abonnenten zu gewinnen, sind so genannte Popup Overlays. Meist sind die so umgesetzt, dass sich ein Layer über die eigentliche Webseite legt und diese halbtransparent abdeckt. Im Vordergrund steht dann das Formular zum Anmelden beim Newsletter.

Aber ist diese Methode tatsächlich empfehlenswert?

Screenshot Popup Overlay

Klassisches Beispiel für Popup Overlays auf bonobos.com Die ganze Seite wird abgedeckt und das Formular muss ausgefüllt oder weggeklickt werden.

Popups nerven

Popups mit Werbung sind der Grund warum heute Popup-Blocker in den Browsern eingebaut sind. Und dafür, dass ansonsten wenig technikaffine Menschen Werbeblocker installieren. Um das Jahr 2000 konnte man kaum eine Website besuchen, ohne dass zusätzliche Popup-Fenster mit Werbung aufgingen. Werbung war eines der Dinge, welche die Menschen im Internet am meisten genervt hat. Popups haben entscheidend zum schlechten Ruf der Werbung im Web beigetragen.

Und auch wenn heute keine eigenen Fenster aufgehen – auch solche mit Layern umgesetzten Popups mögen die Nutzer gar nicht. Denn sie reißen sie aus dem heraus, was sie eigentlich gerade tun wollen.

Screenshot Popup Overlay t3n

Deutlich dezenter ist die Technik bei t3n: Hier erscheint das Popup am untersten Seitenende und ist auch nicht modal, das heißt, man kann weiter mit der Seite interagieren.

Popups verletzen einen wichtigen Grundsatz für gute User Experience: Die Nutzer wollen die Anwendung steuern und nicht das Gefühl haben, sie macht, was sie will oder sie wird von jemand anderem kontrolliert.

Popups konvertieren

Screenshot Popup Overlay Focus

Auch für Dinge wie Downloads von Whitepapers oder wie hier bei focus.de für Soziale Medien lassen sich Popup Overlays einsetzen.

Warum findet man Popup Overlays trotzdem auf so vielen Seiten? Weil sie funktionieren. Viele Tests haben gezeigt: Mit solchen Popups bringt man deutlich mehr Nutzer dazu, sich für einen Newsletter einzutragen als ohne.

Der Marketer Dan Zarrella hat etwa Zahlen dazu veröffentlicht und schreibt, dass sich ohne Popup 1,5% der Besucher für seinen Newsletter eintragen. Mit Popup sind es 3,1% – also doppelt so viele. Und das Erstaunliche: Die Absprungrate bleibt dabei praktisch gleich.

Doch dass mindestens 97 Prozent das Layer schließen und sich viele von diesen ärgern, das bleibt bei dieser Messung natürlich außen vor.

Also sollte ich Popup Overlays nutzen?

Der britische Berater Paul Boag schreibt sehr treffend:

Indem Sie Menschen anschreien, stellen Sie sicher, dass Sie die Aufmerksamkeit von einigen bekommen. Aber so wie ein Hassprediger auf der Straße stößt man damit deutlich mehr Menschen ab, als man überzeugt.

Boag meint also: Wir brauchen einen etwas subtileren Ansatz.

Auch im Blog des bekannten Usability-Experten Jakob Nielsen heißt es:

Wir empfehlen niemals, die Nutzer absichtlich zu unterbrechen bei dem, was sie tun, oder sie zu verärgern.

Was sollen wir also tun? Weiterhin Besucher verärgern, damit wir ein paar Abonnenten mehr gewinnen?

Popup Overlays mit Bedacht nutzen

Der beste Kompromiss ist folgendes Vorgehen:

1. Optimieren Sie Ihre Anmelde-Seiten & -Boxen

Sorgen Sie dafür, dass Ihre Formulare, mit denen Sie neue Abonnenten gewinnen wollen, möglichst überzeugend sind. Erklären Sie, welche Vorteil diese haben, wenn sie abonnieren und was Sie mit der Mailadresse sonst anstellen.

Siehe dazu auch hier im Blog die Checkliste Newsletteranmeldung

2. Wählen Sie passende Seiten aus

Ermitteln Sie die Seiten, die sich für Popup Overlays eignen. Setzen Sie diese auf keinen Fall einfach überall ein.

Besonders die Startseite sollte tabu sein – hier schon nach der E-Mailadresse zu fragen ist mit der Tür ins Haus fallen.

Geeignet sind content-starke Seiten mit viel Traffic. Besonders wenn dieser von den Suchmaschinen kommt. Sehen Sie also in Ihren Zugriffsstatistiken (Analytics) nach, welche Seiten vor allem von neuen Besuchern angesteuert werden.

3. Merken Sie sich die Besucher

Nutzen Sie Cookies, um Besuchern nicht ständig das für sie unbequeme Popup zu zeigen. Wer z.B. Ihren Newsletter schon abonniert hat und dann bei jedem Besuch Ihrer Site nochmal dazu aufgefordert wird, der wird früher oder später nicht mehr auf Ihre Site kommen.

Und auch, wer sich mehrfach dagegen entschieden hat, Ihren Newsletter zu bekommen, der will nicht ständig nochmal gefragt werden.

4. Seien Sie nur so aufdringlich wie nötig

Generell sollten Sie so subtil wie möglich vorgehen. Dazu gehört:

Zeigen Sie das Popup nicht sofort. Wenn der Besucher drei Seiten gelesen hat, ist z.B. ein guter Zeitpunkt.

Und auch ist es eine gute Idee, den Nutzer nicht direkt nach dem Laden der Seite zu belästigen. Machen Sie das erst, wenn er im untersten Viertel der Seite angekommen ist.

Ein modales Popup ist die brachialste Methode. Damit ist der Nutzer gezwungen, den Button zum Schließen zu klicken (oder zu abonnieren). Vielleicht reicht es aber, eine Box einzublenden, die weder wichtige Teile abdeckt noch die Interaktion mit der Seite verhindert?




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