Mietadressen – wie erkenne ich seriöse Anbieter?

Wer mit seinem Unternehmen oder einem Produkt ganz neu am Markt ist und E-Mail-Marketing machen will, der steht vor einem Problem: Woher bekommt man Adressen, an die man seine Newsletter verschicken kann?

Die klassische Methode erfordert etwas Mühe, aber vor allem eines: Zeit. Wer die nicht hat, der kann darüber nachdenken, ob Mietadressen vielleicht das Richtige für ihn sind.

Was sind Mietadressen?

Illustration EmpfängerlisteVon "Mietadressen" spricht man, wenn man den Adressverteiler von jemand anderem nutzt, um Mailings zu verschicken. Dabei ist der Begriff "Miete" nicht ganz richtig, denn anders als bei der Miete etwa eines Autos bekommen Sie hier nichts. Die Adressen bleiben immer beim "Vermieter".

Der "Vermieter" verschickt für Sie also Mails an seine Adressen. Das hat vor allem rechtliche Gründe – denn die Personen auf der Empfängerliste haben dem "Vermieter" ihre Einwilligung gegeben, von ihm Mails zu bekommen, nicht Ihnen oder irgend jemand anderem.

Bei einer solchen Aussendung an Mietadressen spricht man meist von Standalone-Mailings. Denn meist werden Sie es bei einer oder ein paar wenigen Mails belassen – schon aus Kostengründen. (Mehr zu Standalone-Kampagnen siehe auch Tipps für die Gestaltung von Standalone Mailings.)

Worauf müssen Sie bei der Auswahl des Anbieters achten?

Wenn Sie sich für die Miete von Adressen entscheiden, müssen Sie unbedingt sehr kritisch sein bei der Auswahl des Anbieters. Denn mit E-Mailadressen wird ein schwunghafter – illegaler – Handel getrieben. Für Spammer sind sie Geschäftsgrundlage.

Aber es gibt auch seriöse Anbieter. Kriteren, solche zu erkennen, sind:

  • Der Anbieter ist ein bekanntes Unternehmen mit tadellosem Ruf. Entweder Sie lassen sich ein Unternehmen empfehlen, oder Sie googeln (z.B. nach "Anbietername + Spam"). Auch einen Blick sollten Sie auf die Liste der Referenzen werfen – arbeiten bekannte Firmen mit dem Anbieter zusammen?
  • Alle Adressen wurden nachweislich per double-opt-in gewonnen.
  • Die Zustimmung der Nutzer ist nicht an die Annahme von AGB- oder Teilnahmebedingungen gekoppelt.
  • Die Austragung ist jederzeit ohne Nachteile möglich.

Gesetzliche Anforderungen an den Anbieter sind:

  • Der Adresshändler hat einen Datenschutzbeauftragten (der nicht Mitglied der Geschäftsführung ist).
  • Das Datenverarbeitungsverfahren ist bei der Datenschutzaufsichtsbehörde angemeldet.
  • Der Adresshändler kann ein Verfahrensverzeichnis zur Verfügung stellen.

Wollen Sie auf Nummer sicher gehen, dann suchen Sie sich eine Agentur, die im Deutschen Dialogmarketing Verband (DDV) ist. Dessen Mitglieder verpflichten sich, Standards für ethisches Marketing einzuhalten. Mitglieder können auch weitere Verpflichtungen unterschreiben wie den Ehrenkodex E-Mail-Marketing. Damit verpflichten sie sich über die gesetzlichen Anforderungen hinaus.

Fragen Sie auch danach, ob neben den reinen Mail-Adressen weitere Daten über die Empfänger vorliegen. Wichtig sind z.B. der Name (für eine persönliche Ansprache), aber auch das Geschlecht, das Alter, der Wohnort oder Interessen können nützlich sein. Je mehr Sie über die Empfänger wissen, um so besser können Sie diese ansprechen. Bei großen Empfängerlisten können Sie auch mit Segmentierung arbeiten (siehe z.B. Nutzersegmentierung – jedem nach seiner Fasson).

Wie gut Ihre Mails letztlich ankommen, kann man vorher nur raten. Sinnvoll ist aber, die Abrechnung an bestimmte Öffnungs- oder Klickraten zu koppeln, damit Sie nicht am Ende für eine Aussendung an 120.000 Empfänger zahlen, von denen nur 12 Ihre Mail öffnen.

Die Mail selbst

Gestalten können Sie das Mail so, wie Sie es für richtig halten.

Wichtig ist aber: Der Eigentümer der Adressen verschickt letztlich die Mail. Er als Absender muss darin also auch mit korrektem Impressum genannt sein. (Siehe auch Checklisten für das Impressum im Newsletter)

Inhaltlich bietet es sich an, nicht mit der Tür ins Haus zu fallen, sondern den Empfängern zu erklären, warum Sie ein Mail von Ihnen bekommen.

Gestalten Sie das Mail noch klarer als Ihre gewöhnlichen Newsletter (wenn Sie bereits welche verschicken). Denn die Aufmerksamkeit müssen Sie bei dem Versand an neue Adressaten erst noch gewinnen. Pflicht ist daher eine klare Handlungsaufforderung (CTA = Call-to-action)

Beim ersten Mailing rechnen Sie unbedingt ausreichend Zeit für Tests ein. Lassen Sie sich zunächst Testmails an sich selbst schicken und prüfen Sie:

  • Inhalt
  • rechtliche Anforderungen (z.B. Impressum des Versenders)
  • Technik (werden Bilder alle geladen, funktionieren die Links)
  • Darstellung in verschiedenen Mailclients auf verschiedenen Geräten
  • Tracking (werden Öffnungen, Klicks etc. richtig registriert?)
  • Abmelde-Link (ist er vorhanden und funktioniert er?)

Sonderfall Co-Registierung

Bei der so genannten Co-Registierung (kurz CoReg) gewinnen Sie tatsächlich eigenen Adressen. Daher müssen Sie in dem Fall bei der Adressgewinnung namentlich genannt werden.

Das bedeutet, dass die Empfänger Ihren Newsletter direkt abonnieren. Sie "mieten" also in diesem Fall keine Adressen, sondern Ihr Partner schickt seine Empfänger lediglich zur Anmeldeseite für Ihren Newsletter (oder integriert ein Formular, über welches die Anmeldung läuft).

Mehr dazu siehe Adressgenerierung – kann man Interessenten kaufen?

Fazit & Empfehlung: Bauen Sie Ihren eigenen Adressverteiler auf.

Generell ist es immer sinnvoll, einen eigenen Verteiler aufzubauen. Denn das kostet zwar Zeit und Mühe, ist langfristig aber immer die beste Variante.

Denn auf diesen Adresslisten stehen nur Empfänger, die sich freiwillig dafür entschieden haben, von Ihnen persönlich Mails zu bekommen. Eine bessere Leserschaft können Sie kaum finden.




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