Wie persönlich darf ein Newsletter sein?

Menschen haben am liebsten mit anderen Menschen zu tun, nicht mit Maschinen. Und am liebsten haben wir mit Menschen zu tun, die eine Persönlichkeit haben.

Ihre Persönlichkeit sollten Sie auch in Ihrem Newsletter und auf Ihrer Website aufscheinen lassen.

Bürokratendeutsch herrscht vor im Web

Die meisten Texte, die man online liest, haben keine Persönlichkeit. Sie sind nüchtern, vermitteln im besten Fall Informationen und hinterlassen keinen Eindruck.

Das liegt mit daran, dass wir genau diese Art zu Schreiben in der Schule lernen. An der Uni oder im Arbeitsalltag wird das dann weiter verstärkt. Deshalb herrscht nüchterne Sprache vor. Die Sätze sind meist im Passiv geschrieben, zu lang und jede Leichtigkeit fehlt.

Solche Texte liest niemand gern – man liest sie nur, wenn man muss. Der erste Schritt ist also, einen lebendigeren, aktiven Stil zu entwickeln. Dazu gibt es etliche Bücher und auch viele Quellen im Netz. (Siehe auch hier im Blog: Bessere Texte für mehr Abonnenten.)

Aber selbst wenn Sie einen guten Schreibstil entwickelt haben, können Sie noch mehr tun. Finden Sie Ihren eigenen, ganz persönlichen Stil. Bei Schriftstellen spricht man auch von der Stimme des Autors. Diese Stimme sollten Sie auch für Ihre eigenen online-Texte finden.

Den persönlichen Stil finden

Wichtige Elemente des persönlichen Stils sind:

  • Ansprache der Leser: keine, direkt – du/Sie/Ihr
  • Umgangssprache
  • Dialekt
  • Redensarten/Sprichwörter
  • Satzlänge
  • Verwendung von Absätzen
  • Einsatz von Fachwörtern

Dabei kommt es natürlich ganz darauf an, für welche Zielgruppe Sie schreiben. Nicht jeder Stil passt zu jeder Zielgruppe.

Ikea schreibt zum Beispiel:

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Hej Jens,
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Für einen B2C-Newsletter ist das in Ordnung. Auch Apple duzt:

Hallo Jens,
hier sind die Details deines bevorstehenden Termins.
[…]
Wenn du da bist, melde dich bitte bei einem Apple Store Mitarbeiter.
Wir freuen uns auf deinen Besuch.
Dein Apple Store Team

Ich persönlich finde es immer noch etwas seltsam, von einem großen Unternehmen geduzt zu werden. Aber offenbar kommt das an – wenn Sie wissen wollen, ab das für Ihre Newsletter-Empfänger auch gilt, führen Sie unbedingt einen Split-Test durch, bevor Sie alle duzen (siehe Mehr Erfolg dank Split-Kampagnen).

Erzählen Sie auch mal von sich

Eine weitere Möglichkeit, wie Sie Ihre Persönlichkeit noch besser ausdrücken können: Geben Sie etwas von sich selbst preis. Das funktioniert für die meisten online-Texte nicht, aber wenn Sie Social Media Marketing machen, ein persönliches Blog schreiben (wie etwa ein Vorstands-Blog) o.Ä., dann ist das extrem effektiv.

Wie das auch im B2B-Umfeld funktioniert, zeigt der Berater Derek Halpern. Von allen Autoren im Web, die ich kenne, ist er derjenige, der am stärksten seine eigene Persönlichkeit in den Mittelpunkt stellt. Man könnte fast sagen, er ist erbarmungslos persönlich. Das wirkt anfangs befremdlich, teilweise nervig und oft narzisstisch. Und trotzdem: Es wirkt sehr ehrlich, persönlich und einzigartig.
Sicher kein Rezept für jeden. Und sicher auch etwas, was in Amerika besser funktioniert als hier. Aber lohnend ist es in jedem Fall, sich anzusehen, was Halpern tut.

Sein Blog heißt Social Triggers – zum Einstieg kann ich diesen Artikel zu Thema empfehlen: How to find your voice – and own it.

Wenn Sie diesen gelesen haben, dann sind Sie bereit für seine Videos – sehen Sie sich ein beliebiges auf seiner Site an. Persönlicher wird es nicht mehr.




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