Die richtige Erzählperspektive und Person wählen

Neben der persönlichen Begrüßung (siehe letzter Beitrag Die richtige Anrede wählen) ist die „Erzählperspektive“ in Mails wichtig – aus welcher Sicht soll ich die Mail schreiben? Aus meiner persönlichen oder aus der meines Unternehmens? Aus der des einzelnen Empfängers oder aus der Sicht der Gruppe aller Empfänger?


Hier im Blog verwende ich zum Beispiel vor allem zwei Perspektiven: Einmal meine persönliche, ich spreche also als Autor. Und als Zweites spreche ich Sie als Marketingexperten an, schildere die Probleme und deren Lösungsmöglichkeiten aus Ihrer Sicht.

Bei den meisten Unternehmen bietet sich nur die zweite Perspektive an – die aus der Sicht der Kunden. Diese fühlen sich dadurch ernst genommen und direkt angesprochen. Wähle ich die persönliche Perspektive, schaffe ich allerdings eine engere Verbindung zwischen mir und Ihren, meinen Lesern. In Einzelfällen können Sie diese daher auch nutzen. Haben Sie etwa ein neues Produkt entwickelt, dann können Sie aus der Sicht des Entwicklungsteams beschreiben, wie es entstanden ist und welche Probleme Sie dabei etwa lösen mussten. Dabei dürfen Sie natürlich nicht zu dick auftragen und auch nie aus den Augen verlieren, dass Ihre Leser letztlich vor allem interessiert, was sie davon haben. Wenn Sie selbst auch noch so stolz auf eine bestimmte Eigenschaft oder Funktion sind: beschreiben Sie am Ende immer, warum diese für die Leser so wichtig ist.

Die „Wir-Perspektive“ ist für Spezialfälle reserviert, weil sie schnell anbiedernd wirkt. Wir stellen uns damit auf eine Stufe mit den Empfängern unserer Mails. Das klingt erstmal gut, wird aber meist als vereinnahmend empfundenen. Gut klappt das aber zum Beispiel bei Vereinen oder Interessenvertretungen. Hier sitzen Sie als Newsletter-Schreiber tatsächlich mit allen Lesern im selben Boot.

Auf unserer Versammlung am 15.6. haben wir beschlossen, dass … Damit stellen wir sicher, dass alle unsere Mitglieder dauerhaft entsprechend Ihrer Interessen …

Achten Sie hier aber auch darauf, dass die Leser sich mit gemeint fühlen. Denn bei dieser Perspektive kann es sonst schnell dazu kommen, dass die eMail-Empfänger den Eindruck haben, hier würde ein „eingeschworener Verein“ sprechen, zu dem sie nicht dazu gehören.

Die richtige Person ansprechen

Eng verknüpft mit der Frage der Perspektive ist die der Person, in der Sie die Texte formulieren. Machen Sie das in der ersten Person (ich / wir)? Oder in der zweiten Person Plural (Sie)? Oder Singular (Du / du)?

Die Faustregel ist: Schreiben Sie immer in der dritten Person Singular (er / sie / es), es sei denn, Sie haben einen wichtigen Grund, das nicht zu tun. Denn das ist am neutralsten, und oft auch am überzeugendsten. Nachrichten sind immer in der dritten Person („Am 1.7. stellte das Unternehmen XY das Produkt Z vor.“).
Der wichtigste und häufigste Grund, von dieser Regel abzuweichen, ist, dass Sie den Leser direkt ansprechen wollen, ihm direkt auffordern wollen, etwas zu tun. Das ist im Marketing sehr häufig, aber wenn Sie das sparsam einsetzen und nicht den ganzen Newslettertext mit direkter Ansprache der Leser schreiben, dann ist die einzelne Ansprache viel wirkungsvoller.

Schließlich bleibt am Ende noch die Streitfrage: Du oder Sie? Immer mehr Marketer gehen dazu über, Ihre Adressaten mit dem vertraulichen Du anzusprechen. Wohl das bekannteste Beispiel ist Ikea. Seit mehreren Jahren reden sie ihre Kunden konsequent mit Vornamen und „Du“ an. Das passt zum Image, dem sich das freundliche, unkomplizierte Möbelhaus geben will. Aber manchem kommt es bis heute seltsam vor.

Daher ist meine Empfehlung: bleiben Sie generell beim „Sie“, nur wenn Sie sich ganz sicher sind, dass Ihre Leser das gut finden, dann kannst Du auch „Du“ verwenden.

Also gilt wie immer: Lernen Sie Ihre Zielgruppe so gut wie möglich kennen und überlegen Sie zuerst bei allem, was Sie schreiben. Und zwar nicht nur, was Sie schreiben wollen, sondern auch wie Sie es schreiben wollen. Damit steigern Sie die Wirkung Ihrer Mails noch weiter.




Keine Kommentare möglich.