Gemeinsamkeiten von Profifußballern & Exzellenz-Unis im Marketing, Teil 2

Im 1. Teil dieser zweiteiligen Artikelserie (Gemeinsamkeiten von Profifußballern & Exzellenz-Unis im Marketing) ging es darum, wie große Fußballvereine Newsletterabonnenten und auch Mitglieder gewinnen. Nun stellen wir dem eine ganz andere Art von Mitgliederwerbung gegenüber: die von Universitäten.

Universitäten bekommen Geld vom Staat, von Forschungsaufträgen und aus vielen weiteren Quellen. Vielfach unterstützen auch große Unternehmen die Unis – diese Gelder werben Fundraiser an, die dann nicht selten Millionendeals abschließen. Daher sind die Beträge, die durch die Fördervereine von kleinen Mitgliedern zusammenkommen eher unbedeutend. Aber um den Ruf der Uni zu festigen und um die Ehemaligen zu binden, ist die Betreuung solcher Mitglieder sehr wichtig.

Sehen wir uns also an, wie zwei ausgewählte deutsche Unis das angehen:

Argumente: Marketing fürs Hirn

Screenshot Website TUM

Die TU München hat nicht nur einen Fan-Shop, sondern viele Angebote für Förderer und Alumni.

Natürlich sind Universitäten keine Vereine. Aber praktisch jede Universität hat heute einen Förderverein oder einen Alumni-Verein für die ehemaligen Studenten und Professoren. Dabei spielen natürlich das Marketing vor Ort und die persönliche Ansprache eine wichtige Rolle. Aber gerade, wer schon vor einiger Zeit seinen Abschluss gemacht hat, der ist vielleicht bisher nicht in Kontakt mit diesen Bemühungen gekommen. Und den kann man über die Website hervorragend ansprechen.

Bei der TU München, kurz TUM, findet sich schon auf der Startseite der Link „Fan der TUM?“ sowie der Link „Fördern und Stiften“. Auf der Fan-Seite gibt es dann Links zum Fan-Shop, in dem man T-Shirts, Stifte, Ordner, Schlüsselanhänger oder Bierkrüge mit TUM-Logo kaufen kann.

Außerdem wird hier das Social Media-Angebot vorgestellt (Facebook, YouTube, Twitter und Instagram) sowie ein Link zum Alumni-Netzwerk angeboten.

Schließlich findet sich noch ein Abschnitt zum Bereich „Fördern und Stiften“, unter anderem mit Verweis in den Bereich „Fundraising“.

In diesem Bereich gibt es einen guten Text, warum es sich lohnt, die Uni zu unterstützen. Es folgen Links zu weiterführenden Informationen zu den Förderwegen, den Bereichen, die man unterstützen kann und bisher geförderten Projekten. Diese finden sich auch in einer eigenen vertikalen Navigationsleiste am linken Seitenrand.

Für die Alumni letztlich gibt es eine eigene Sub-Site (https://www.together.tum.de). Diese ist aufgemacht wie ein Magazin und setzt auf Teaser, Fotos und Grafiken. Hier werden interessante Projekte vorgestellt, die an der TUM laufen und Tätigkeiten, an denen Alumni beteiligt waren. Die Seite setzt auch stark auf Personen – denn Menschen interessieren sich immer am meisten für Menschen. Und nachdem im Alumni-Netzwerk Menschen im Vordergrund stehen, ist das nur konsequent und sinnvoll.

Screenshot Website FU Berlin Slider

Die FU Berlin wirbt auf der Startseite in einem Slider für ihren Alumni-Bereich.

Bei der FU Berlin gibt es gegen Ende der Startseite einen Teaser für die Alumni – allerdings nur in einem Slider-Bereich, der automatisch durchwechselt. Es kann also sein, dass man diesen Teaser nicht sieht, wenn der Slider zufällig gerade andere Teaser zeigt. Im Footer gibt es aber natürlich einen Link. Dort finden sich auch Links zu Facebook, Twitter, Google Plus, Youtube, Instagram, Xing und LinkedIn.

Der Alumni-Bereich der Website wirkt großzügig und übersichtlich. Er hat eine eigene horizontale Sub-Navigation und arbeitet wie die Startseite z.B. auch mit Bild-/Text-Teaserkästen. Bereiche mit aktuellen Terminen für Alumni-Veranstaltungen ergänzen dies.

Verwunderlich: Ein eigener Bereich „Fundraising“ ist nicht zu finden. Zwar gibt es eine Seite „Informationen für Alumni, Förderinnen und Förderer“, doch dort muss man wissen, dass man bei „Ernst-Reuter-Gesellschaft und -Stiftung“ suchen muss. Und dann muss man noch herausfinden, ob der Link zur „Ernst-Reuter-Gesellschaft“ oder zur „Ernst-Reuter-Stiftung“ der richtige ist.

Fazit: Einen klaren Sieger des Vergleichs der zwei Exzellenz-Universitäten gibt es im Bereich Marketing nicht. Die Site der FU Berlin wirkt moderner und aufgeräumter. Die Texte sind tendenziell kürzer und gut geschrieben. Dafür hat die TU München die Nase vorn bei der Struktur. Hier findet man viel leichter, was man sucht. Und vor allem: Förderwillige werden hier deutlich besser abgeholt.

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Über den Autor:
Jens Jacobsen

Jens Jacobsen ist Gastautor für das Evalanche-Blog und arbeitet seit 1998 als Konzepter und Berater fürs Web. Er unterstützt etablierte Unternehmen wie auch Startups beim Erstellen von Websites, Apps und interaktiven Anwendungen. Sein Schwerpunkt liegt darauf, die Sicht der Kunden und Nutzer von Anfang an einzubringen.

Er befasst sich mit User und Customer Experience, untersucht Bedürfnisse, Erwartungen und Verhalten der Nutzer und optimiert mit diesem Wissen Bestellprozesse wie auch die gesamte digitale Kommunikation. Auch hilft er Unternehmen bei der Neukundengewinnung und Marketing Automation.

In seinen Büchern „Website-Konzeption“ (1. Auflage 2001, 8. Auflage 2016) und „Praxisbuch Usability & UX“ (2017) gibt er sein Wissen weiter, ebenso bei Coachings und Seminaren.

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