So finden Sie den richtigen Versandtag

Montag, Sonntag, Samstag – es scheint, dass es so viele Empfehlungen für den optimalen Versandtag gibt, wie die Woche Tage hat. Woran liegt das? Sind die Studien schlampig durchgeführt, oder ziehen die Autoren die falschen Schlüsse?

Warum ist der optimale Versandzeitpunkt so unklar?

Die meisten Studien, die ich kenne, sind recht solide. Wie so oft ist die Antwort auf die Frage, warum die Ergebnisse so unterschiedlich sind: Bei der Wahl des optimalen Versandzeitpunkts kommt es ganz darauf an. Und zwar kommt es vor allem an auf:

  • Ihre Zielgruppe
  • Ihre Themen
  • Ihren Stil

Zur Zielgruppe: Wenn Sie Mailings an Endkunden verschicken, gelten andere Regeln, als wenn Sie einen B2B-Newsletter schreiben. Für Handwerker als Empfänger ist ein anderer Versandzeitpunkt geeignet als für Steuerberater.

Aber auch die Themen sind wichtig: Selbst wenn Ihre Empfänger Geschäftsleute sind, dann können Sie auch ganz unterschiedliche Themen ansprechen. Geht es in Ihrem Newsletter um Dinge, die direkt mit deren täglicher Arbeit zu tun haben, dann wollen die Empfänger diese Texte wahrscheinlich auch im Büro lesen. Schreiben Sie aber etwa einmal einen längeren Text zum Thema Work-Life-Balance oder Altersvorsorge, dann werden Ihre Empfänger diesen möglicherweise lieber in Ruhe am Wochenende lesen.

Und auch der Stil beeinflusst den Zeitpunkt, zu dem der Empfänger Ihren Newsletter lesen will. Schreiben Sie eher unterhaltsam und ausführlich, dann will man Ihren Text tendenziell eher Abends oder am Wochenende lesen. Liefern Sie vor allem nüchterne, stichpunktartige Fakten, dann passt das gut in die Kernarbeitszeit.

Wann soll ich nun versenden?

Den wichtigsten Faktor haben wir aber noch garnicht genannt (das aber nicht ohne Grund): Entscheidend ist die Gesamtanzahl von Mails, welche die Empfänger zu dem Zeitpunkt bekommen, an denen auch Ihre eMail in ihrem Postfach landet. Denn je mehr Mails der Benutzer abzuarbeiten hat, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er Ihre löscht.

Weshalb wir diesen Faktor erst jetzt nennen, ist: Sie können Ihn nur sehr schwer beeinflussen. Vor einigen Jahren galten Dienstag und Donnerstag als die optimalen Tage für den Versand. Das hat dazu geführt, dass sehr viele Newsletter genau dann verschickt wurden – was diese Tage zu ausgesprochen schlechten Versandterminen gemacht hat.

Lesen Sie also eine aktuelle Studie über den optimalen Versandzeitpunkt, dann können Sie davon ausgehen, dass das auch die meisten Ihrer Kollegen tun. Sie verschicken dann bevorzugt zu den Terminen, die die Studie als optimal herausgefunden hat. Und damit werden genau diese Termine zu ungünstigen Versandzeitpunkten.

Einfach gegen den Trend zu wetten, und gerade zu diesen Terminen nicht zu verschicken ist aber auch riskant – vielleicht machen das ja auch andere, oder die Studie wurde vielleicht doch nicht so häufig gelesen… Ein Dilemma.

Die Halbwertszeit der Studien ist außerdem sehr gering, das Nutzerverhalten ändert sich laufend. Derzeit vor allem auch dadurch, dass mehr und mehr Mails mit mobilen Geräten abgerufen werden.

Nur wer selbst testet, weiß Bescheid

Aus meiner Sicht gibt es daher eigentlich nur zwei Empfehlungen:

  1. Überlegen Sie sich, wie die Nutzungssituation Ihrer Empfänger ist und leiten Sie daraus zwei, drei Termine ab, die Sie für die bestmöglichen Versandzeitpunkte halten.
  2. Verschicken Sie Ihre nächsten Mailings als Split-Kampagnen jeweils zu diesen Zeitpunkten. Werten Sie dann aus, wie die Öffnungs- bzw. Konversionsraten für die jeweiligen Versandzeitpunkte waren.

Das machen Sie am besten alle paar Monate, um sicherzugehen, dass Sie auch Änderungen der Nutzungsgewohnheiten oder Änderungen bei der Zusammensetzung des Verteilers berücksichtigt haben.




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